Thomas Vaucher

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Rezensionen - Tell

leser-welt.de

Geschrieben von Rotraud Tomaske

Die Grundidee der Handlung

Wilhelm Tell: Unerschrockener Kämpfer für die Freiheit vom Joch der Habsburger. Der „Apfelschuss“ hat ihn berühmt gemacht, Städte errichteten ihm Denkmäler, seit Ende des 19. Jahrhunderts gilt er als Nationalheld der Schweiz - ABER: Es gab ihn wahrscheinlich gar nicht !
Der Schweizer Autor Thomas Vaucher erzählt das fiktive Leben des legendären Mannes, wie es gewesen sein könnte und fügt es perfekt und glaubwürdig in die tatsächlichen geschichtlichen Ereignisse – wie sie sich Anfang des 14. Jahrhunderts in der damaligen Schweiz abgespielt haben – ein.

Stil und Sprache
Auch in seinem dritten historischen Roman greift der Autor ein Stück Geschichte seiner Heimat auf und zwar diesmal das wohl bekannteste, nämlich die Entstehung der „Alten Eidgenossenschaft“ mit der Sage des berühmten Rütlischwurs. In einer sehr gelungenen Mischung aus fiktiven Elementen und verbürgter Überlieferung erzählt er, wie sich Männer aus Uri, Schwyz und Unterwalden auf dieser versteckten Wiese über dem Vierwaldstättersee trafen und einen Bund gegen die tyrannische Willkürherrschaft der habsburgischen Vögte schlossen.
Der Leser erlebt die Handlung beinahe ausschließlich aus der Sicht von Wilhelm (Helm). Er erfährt, wie der Fünfjährige seinen Vater verliert und 14 Jahre später gegen seinen brutalen Onkel aufbegehrt, sich in Anna verliebt, mit Hermann von Spiringen aneinander gerät und fliehen muss.
Thomas Vaucher schildert das alles sehr bildhaft, mitreißend und authentisch.
Der historische Hintergrund ist sehr gut beleuchtet, die Situation der Menschen, die unter der ungerechten Obrigkeit leiden, wird durch viele Beispiele - die tatsächlich so oder ähnlich geschehen sind - verdeutlicht und weckt Interesse und Anteilnahme.
Die ausdrucksstarke Sprache und der angenehm flüssige Schreibstil des Autors lassen keine Längen aufkommen. Der Spannungsbogen liegt von Anfang an sehr hoch und zieht sich durch das ganze Buch bis zum dramatischen Finale, das man so nicht erwartet hätte und das den Leser ziemlich fassungslos - und von den unterschiedlichsten Gefühlen überwältigt - zurück lässt.

Figuren
Einige Personen des Buches sind historisch und im Verzeichnis als solche gekennzeichnet: König Rudolf v. Habsburg, Bischöfe und Adelige seiner Umgebung, aber auch einige der Schweizer - „Eidgenossen“ und ihre Gegner - wie z.B. Walter Fürst, Walter v. Spiringen, Werner Stauffacher und Beringer v. Landenberg.
Über ihre Rolle in der Geschichte kann man tatsächlich einiges nachlesen, sie wird aber auch teilweise im Nachwort erklärt.
Dass Thomas Vaucher aus einigen dieser Männer frühere „Schattenläufer“ und damit ehemalige Kampfgefährten seines Helden Wilhelm Tell (Helm) macht, ist eine glänzende Idee, die der an sich schon spannenden Handlung noch zusätzlichen Reiz verleiht.
„Die Schattenläufer“, denen sich Helm auf seiner Flucht vor der Rache der Spiringer anschliesst, sind eine Truppe von Söldnern, die unter ihrem Hauptmann Schatt für vertraglich festgesetzten Sold in fremden Heeren kämpfen. Bei ihnen erlernt Helm das Armbrustschiessen und nimmt an mehreren Kriegszügen teil. Nach und nach erfährt er – und damit auch der Leser – die verschiedenen Schicksale, die die Gruppe zusammen geführt hat und die Geschichte der seltsamen Namen, die sie untereinander benutzen. „Beisser, Kopfspalter, Bluttrinker, Zwiebelarsch oder Schrecken der Alpen“ – jede dieser Bezeichnungen steht für einen Mann und sein ganz besonderes Abenteuer, meistens mit ernstem Hintergrund, aber manchmal - wie im Fall von „Zwiebelarsch“ - auch einmal lustig.
Helm findet Freunde unter ihnen, merkt aber auch bald, dass einigen nicht zu trauen ist. Als kämpfende Truppe zwingt sie die Notwendigkeit zum Zusammenhalten, aber was die Kameradschaft tatsächlich wert ist, wird sich erst Jahre später zeigen.
Die Frauen, die in der Geschichte eine größere Rolle spielen – Anna, Louise, Engel und Eva – sind durchweg sehr einfühlsam und glaubwürdig geschildert, die Figuren besitzen Tiefe und Charakterstärke und ihre Motive sind jederzeit nachvollziehbar, wenn auch nicht immer gut zu heißen.

Aufmachung des Buches
Das schwarze Hardcover trägt nur auf dem Rücken in weißer Schrift den Titel, den Namen des Autors und den Verlag. Die Innendeckel zeigen vorn und hinten eine Karte der Schweiz um 1307, sowie eine Nebenkarte mit mittelalterlichen Handelswegen. Wichtige Orte der Handlung sind mit ihrem alten und heutigen Namen aufgeführt.
Zwischen dem Prolog und dem Epilog von 1355 gliedert sich die Handlung in 2 Hauptteile mit 98 Kapiteln, die teilweise mit Ortsnamen versehen sind. Teil 1 umfasst 2 Kapitel von 1275 aus Wilhelms Kindheit, dann erfolgt ein Zeitsprung in das Jahr 1289. Teil 2 spielt sich gänzlich 1307 ab.
Nach einer Danksagung erklärt der Autor in seinem Nachwort Fakten und Fiktion seiner Geschichte. Ausführliche Verzeichnisse von Personen und Orten, ein Glossar und eine Literaturliste beschließen das Buch.
Auf dem dunkelroten Schutzumschlag erkennt man das Gesicht eines Mannes, halb verdeckt von den großen weißen Buchstaben des Titels. Darunter liegt eine Armbrust.

Fazit
Wieder einmal ist es Thomas Vaucher glänzend gelungen, mir ein großartiges Stück Schweizer Geschichte nahe zu bringen.
Obwohl Wilhelm Tell eine fiktive Person ist, konnte man das in diesem Buch beinahe vergessen … aber: Ist DAS wirklich ganz sicher ???

SCHADE eigentlich, denn genau SO könnte es gewesen sein.

4.5/5 Sterne

lesefieber.ch

Geschrieben von Manuela Hofstätter

Tells Vater, ein Held, er soll mit blossen Händen einen Bären erwürgt haben, das bezeugen seine Bewunderer. Andere berichten Schlechtes über den Mann, welcher zu Tode kommt und nur seinen Sohn Wilhelm zurücklässt, ein junges Bürschchen. Dem jungen Tell ergeht es schlecht beim Bruder seines Vaters, dieser hasst ihn so sehr, wie er seinen Bruder gehasst hat und der junge Helm will eigentlich nur weg. Aber Helms Herz schlägt für Anna und sie scheint seine Gefühle zu erwidern. Doch da will ein adeliger Pinsel sich einmischen und verleumdet Helm vor Anna. Helm schlägt zu und sein Gegenüber fällt unglücklich mit dem Kopf auf einen Stein. Helm glaubt, er sei nun ein Mörder und es bleibt ihm nur die Flucht. Er schliesst sich den Söldnern an, den gefürchteten Schattenläufern. Helm wird grösser und stärker und er beherrscht die Armbrust wie kaum einer, hatte er doch einen guten, wenn auch harten Lehrmeister. Die Schattenläufer werden zu Helms Freunden, allerdings nicht alle, es kommt zum Bruch und Helm flüchtet mit zwei Freunden, kehrt zurück in sein Dorf, begleicht seine Schuld und kann sogar Anna zur Ehefrau gewinnen. Doch sein alter Widersacher hasst ihn nun mehr de je, die Vögte unterdrücken die Bauern immer schlimmer, es ist eine raue Zeit. Ein Aufstand wird geplant, vieles, so vieles musste Helm schon ertragen, es dürstet ihn nach Freiheit. Wird der heilige Schwur, der auf dem Rütli gesprochen wurde, erfüllt? Wird eine Eidgenossenschaft in die Geschichte eingehen, oder steht das Ende der tapferen Mannen bevor?

Fazit: Schillers Märchen war gestern!
Thomas Vaucher hat der Legende Tell ein völlig neues, anderes, authentisches Gesicht gegeben. Wir lernen Tells Jugendjahre kennen, seine Zeit bei den Söldnern, genauer den Schattenläufern, und sein Lieben und Leben danach. Der Wille und Freiheitsdrang der starken, einfachen Mannen und deren klugen Frauen im Hintergrund, vermögen uns zu erstaunen, der Apfelschuss in einem anderen Licht und dann die Gründung der Eidgenossenschaft, Vaucher hat den Klassiker neu verdichtet, gelungen ist ihm ein ungemein spannendes Werk. Absolut lesenswert, aber nicht für zartbesaitete Menschen, nur für starke Eidgenossen und deren Bewunderer!

Meine Wertung: 8/10

vitanigra.com

Geschrieben von Jay Raeder

Wilhelm Tell
. Das war doch der mit dem Apfelschuss, werden jetzt viele vermuten und der Legende nach stimmt das auch. In verschiedenen historischen Quellen taucht die Figur des Tell immer wieder auf, doch ganz ist seine Geschichte nicht gesichert oder kann eindeutig bestätigt werden. Man setzt seine legendären Taten in die Schweiz um das Jahr 1307, doch wird er erst über 100 Jahre später in diversen Chroniken erwähnt. Der berühmte Apfelschuss hingegen taucht schon zuvor in verschiedenen Schriftstücken aus unterschiedlichen Kulturen auf. Erst viele Jahre später wurde der Apfelschuss Wilhelm Tell angedichtet. Wer dieser Tell war und ob er tatsächlich seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schoss, ist nicht belegt. Schiller und einige andere Autoren und Regisseure schmückten die legendäre Geschichte weiter aus, sodass sich Tell und der Apfel eng miteinander verknüpften.

Thomas Vaucher, ein junger schweizer Autor, konnte bereits in den vergangenen Jahren mit einigen historischen Romanen bestechen. Sein Werk „Winterhelden“ beispielsweise handelte von einer fiktiven Figur, basierend auf einer historischen Figur. Bei dem neuesten Buch „Tell – Mann. Held. Legende.“ steht der legendäre Wilhelm Tell selbst im Mittelpunkt. Der Roman beginnt mit einem kurzen Prolog im Jahre 1355, in dem ein Sterbender dem Pater versucht zu sagen, dass seine Geschichte um Tell gelogen war. Der erste Teil der Haupthandlung versetzt den Leser dann in das Jahr 1275, in die Kinderjahre Wilhelms, oder Helm wie er stets genannt wird. Durch einen Zeitsprung in das Jahr 1289 wird der Leser schließlich in Helms Jugend versetzt. Ein zweiter Zeitsprung geschieht zum Zweiten Teil und erzählt schließlich von Helms Leben als Vater und führt schlussendlich zu den erwarteten Heldentaten und dem Apfelschuss.

Der erste Teil mit dem Untertitel „Der Sohn des Bärentöters“ beginnt mit dem tragischen Tod von Helms Vater. Daraufhin muss sein strenger und skrupelloser Onkel ihn bei sich aufnehmen. Unter seiner Knute stehend, wächst Helm zu einem starken jungen Mann heran. An einem schicksalhaften Sommertag lernt er auf der Mühle seines Oheims die hübsche Anna kennen, die ihn zu einem Fest einlädt. Dort kommt es zu einem Vorfall, der Helms Leben für immer verändern soll. Nachdem er den Sohn des mächtigsten Mannes der Umgebung niedergeschlagen und ihn für tot geglaubt hat, flieht er kopflos. Durch einen Zufall kann er sich einer Söldnertruppe anschließen, den Schattenläufern. Dort wird er zu einem Armbrustschützen ausgebildet und kann sich gleich in mehreren Schlachten behaupten. Hauptmann Schatt wird für ihn zu einer Vaterfigur, doch schnell muss er einsehen, dass er sich in ihm getäuscht hat.

Der zweite Teil des Romans trägt den verheißungsvollen Titel „Die Geißel des Teufels“ und springt in das Jahr 1307. In dem alten Hof seines Vaters steckt dank Helm und seiner Familie wieder Leben, doch die friedlich scheinende Idylle wird schnell durch Hermann von Spiringen überschattet, dem gnadenlosen Vogt! Aus alten Brüdern der Schattenläufer wird schnell ein fähiger Widerstand gegen Hermann und gegen andere grausame Vögte. Im Zuge dessen kommt es auch zu dem legendären Apfelschuss, der leider nicht so verläuft, wie die Legende es behauptet. Hier kommt einem wieder der Prolog in Erinnerung und auch der Epilog, der sich zeitlich gesehen nahtlos an den Prolog anfügt, bestätigt dies.

Insgesamt ist der historische Roman spannend aufgebaut. Im ersten Teil hat man jedoch nicht das Gefühl, dass es sich nur um ein paar Monate handelt, während Helm bei den Schattenläufern so einiges erlebt. Der Leser wird dabei durch Helm selbst bestätigt, für den diese Zeit ebenfalls wie einige Jahre vorkam. Auch wenn der erste Teil noch nicht so mitreißend geschrieben ist, hängt man dem Erzähler dennoch an den Lippen. Zweifelsohne, weil man unbedingt vom Apfelschuss lesen will. Diese ganze Vorgeschichte erweist sich allerdings als unglaublich wichtig für den zweiten Teil, denn in dem geht es erst so richtig zur Sache. In etwas über 100 Seiten ballt sich mehr Energie, mehr Spannung, mehr Faszination als in Teil eins, doch als es schließlich zum Apfelschuss kommt, bleibt einem einfach nur der Mund offen stehen. Ein Stück der Grausamkeit der Vögte schwappt auf den Leser über und lässt ihn frösteln. Vaucher übernahm mit seiner Geschichte des Tells die Geschichte, wie sie erzählt wurde und legt sie teils fiktiv, teils historisch neu aus. Er legt Tell eine Wahrheit in den Mund, die der Leser so zunächst einmal willenlos hinnimmt und die gleichzeitig so plausibel klingt, dass eine weitere Recherche über Wilhelm Tell beinahe überflüssig wird. Dennoch wird Tell immer eine Legende bleiben und auch wenn mit diesem Roman die „wahre“ Geschichte vorliegt, wird Tell immer der bleiben, der seinem Sohn souverän den Apfel vom Kopfe schoss und den grausamen Vogt daraufhin stürzte. „Helden wurden geboren und starben, Legenden hingegen lebten ewig.“ (Vaucher, Tell, S. 310), mit diesem Satz endet ein spannender, historischer Roman, der mit Liebe, Freundschaft und Intrigen spielt, um so ein großes Ganzes zu formen.

zeit-der-buecher.de

Geschrieben von Jasmine A.

Handlung

Wilhelm Tell ist Müllergehilfe und lebt nach der Ermordung seines Vaters bei seinem Onkel. Als er das erste Mal auf die hübsche Anna trifft, ist es um ihn geschehen. Beim Johannisfest jedoch kommt es zur Schlägerei zwischen ihm und einem reichen und einflussreichen Bürger. Ihm bleibt nichts anderes übrig als seine Heimat zu verlassen und seinen Unterhalt als Söldner zu verdienen. Schon bald steigt er auf und wird als einer der besten Armbrustschießer zum dritten stellvertretenden Hauptmann befördert und trifft bald darauf auf den Mörder seines Vaters…
Dieses Buch thematisiert das Leben um die Legende Wilhelm Tell und den Apfelschuss.

Charaktere

Die Charaktere wirken alle sehr authentisch und vor dem Hintergrund der damaligen Zeit gut recherchiert. Besonders auffällig ist dies bei der Figur Tells, denn dem Autor ist es gelungen diese legendäre Person, für deren Existenz es schlussendlich keinen wirklichen Beweis gibt, vor dem Hintergrund einer tollen Recherche authentisch und vielschichtig wirken zu lassen.

Schreibstil

Das Buch ist neben Prolog und Epilog in zwei große Teile geteilt. Einzelne Kapitel gliedern das Buch zusätzlich, oftmals mit Information zum handelnden Ort in der Überschrift. Der Schreibstil ist eingängig und flüssig zu lesen, wenn auch oftmals sehr prägnant in Bezug auf die Dialoge. Beschreibungen hingegen sind oftmals ausführlich, dabei aber keinesfalls langweilig sondern angenehm anschaulich.

Mein Fazit

Der Name Wilhelm Tell sagte mir anfangs wenig, von der Legende des Apfelschusses hatte ich hingegen schon gehört. Die Existenz Tells oder der Ereignisse lässt sich historisch nicht belegen, doch ich bin begeistert wie der Legende um diese Person im Buch Raum gegeben und das Leben Tells dargestellt wurde wie es hätte sein können. Eine tolle Rahmenhandlung runden dabei das Lesevergnügen ab und wecken das Interesse selbst noch etwas zu recherchieren. Auf die Handlung an sich möchte ich gar nicht weiter eingehen um nichts vorweg zu nehmen. Auch das Nachwort ist höchst interessant, ebenso spannend fand ich das Ortsverzeichnis. Für den Leser ebenfalls sicherlich interessant ist das Wortregister, welches einige Begriffe noch erklärt. Das Personenregister am Ende verhindert außerdem, dass man bei der Fülle an Figuren beim Lesen durcheinander kommt. Auch die hochwertig illustrierte Karte im Umschlag des Buches inklusive Legende hat mir wirklich gefallen und konnte mich begeistern.
Insgesamt empfehle ich das Buch guten Gewissens an Liebhaber historischer Romane weiter. Das Buch bietet eine tolle Story, eine spannende Legende, überzeugende Charaktere und eine tolle Recherche, die sich ua in der Karte und den Registern äußert. Ich vergebe 4/5 Punkten, denn einen muss ich für den saftigen Preis von 39, 00€ leider abziehen.

Gesamtbewertung 4 von 5 Sterne

buchmomente.blogspot.ch

Geschrieben von Sabine Forsch

Ich war sehr neugierig auf diese Version über die Legende Wilhelm Tells, weil mich die Leseprobe sofort gefesselt hat – und auch das Cover finde ich sehr ansprechend, vielleicht auch, weil es die klassische Art von Covern historischer Romane etwas verlässt.

Und ich wurde beim Lesen tatsächlich nicht enttäuscht – der Autor hat es geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Die Geschichte Wilhelm Tells – von Kindheit an bis zum legendären Apfelschuss – ist eingebettet in eine kleine Rahmengeschichte, die das Ganze nochmal spannender gemacht hat. Zwar wird das Leben Wilhelm Tells langsam erzählt, das aber hat die Spannung überhaupt nicht gemindert. Sie ist die ganze Zeit vorhanden, steigt stetig an und entlädt sich dann am Schluss in einem tollen Finale. Ich war wirklich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, obwohl es auch ruhigere Passagen gab im Buch - einfach weil ich immerzu wissen wollte, wie es denn nun weitergeht.

Das hat sicherlich auch mit dem angenehmen und sehr eingängigen Schreibstil zu tun. Er lässt sich flüssig lesen und hat bei mir ein historisches Gefühl geschaffen, so dass ich mich beim Lesen tatsächlich in eine andere Zeit versetzt gefühlt habe. Durch die vielen Beschreibungen, die aber nie zu lang oder ausführlich waren, konnte ich mir alles genau vorstellen und die Geschichte spielte sich vor meinen Augen wie ein Film ab.

Mir hat die Erzählung um Wilhelm Tell noch mal ganz neue Einblicke in die Vergangenheit gestattet – nicht nur, weil ich bisher noch nichts historisches gelesen habe, das in der Schweiz spielt, sondern auch, weil mir die Einblicke in das Söldnerleben sehr gut gefallen haben. Ich hatte da keine konkreten Vorstellungen, umso interessanter war es für mich, nun Neues über das Leben, die Hintergründe und auch die Motivationen eines Söldners zu erfahren.

Die Charaktere sind alle sehr gut gestaltet – und tatsächlich hat nicht nur der Protagonist Wilhelm viel Tiefe, sondern auch die Nebencharaktere sind alles andere als flach gezeichnet. Dafür hat sich der Autor viel Zeit genommen, so dass mir viele der ganz unterschiedlichen Figuren sehr ans Herz gewachsen sind. Es gibt nicht einfach nur „gut“ oder „böse“, jeder hat ganz unterschiedliche Facetten und jeder hat auch eine eigene Geschichte, die erklärt, warum er so geworden ist, wie er nun mal ist. Interessant sind dabei auch die Namen, die die Söldner tragen – selten ist es einfach nur der richtige Name, vielmehr nennen sie sich nach Anekdoten ihres Lebens; und als Leser wundert man sich über Namen wie „Strubbler“, „Bluttrinker“, „Einohr“, „Schlitzer“, „Zwiebelarsch“ – doch im Laufe des Buches werden alle Namen erklärt und damit dann auch verständlich.

Gefallen hat mir auch der sehr ausführliche Anhang – hier kann man nicht nur nachschlagen, wo sich mancher Ort befindet und welche Figuren überhaupt mitspielen, es gibt zudem noch ein Glossar, in dem einige Worte erklärt werden, die heutzutage nicht mehr so geläufig sind. Auch die auf den Innenseiten abgedruckte Karte mochte ich sehr, denn so konnte ich manche Reise einfach besser einordnen.

Dass mich das blutrote Cover sehr angesprochen hat, habe ich ja schon erwähnt, genauso wie die gesamte Gestaltung des Buches mit seinem Anhang und den abgedruckten Karten. Ungewöhnlich fand ich dagegen das Format des Buches: es ist deutlich größer als herkömmliche Hardcover und zu meinem Leidwesen leider mit sehr kleiner Schrift gedruckt. Auch der Preis des Buches ist ungewöhnlich hoch – aber vielleicht wird sich der ja noch unserem Buchpreismarkt anpassen.

Mein Fazit
Eine spannende und packende Geschichte, die sich um das Leben Wilhelm Tells dreht und mir ganz neue Einblicke gegeben hat. Die tolle Charakterzeichnung, der fesselnde und eingängige Schreibstil sowie die an Spannung stetig zunehmende Geschichte haben das Buch für mich zu einem Lesevergnügen werden lassen. Auf jeden Fall werde ich nach weiteren historischen Werken des Autors Ausschau halten – diesem hier gebe ich sehr gute 4 von 5 Sternen.

histo-couch.de

Geschrieben von Rita Dell'Agnese

„Die andere Wahrheit über Wilhelm Tell“

Warum hat Wilhelm Tell im 13. Jahrhundert einen Schuss auf seinen Sohn Walter abgegeben? Die offizielle Sage um den Schweizer Nationalhelden beantwortet die Frage klar: Er wurde vom Landvogt Hermann Geßler dazu gezwungen, seine Schiesskunst unter Beweis zu stellen und einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen. Aber Autor Thomas Vaucher erzählt eine ganz andere Geschichte. Wilhelm, oder Helm, wie der Held in Vauchers Roman gerufen wird, ist nicht der brave zurückhaltende Familienvater, der keinen anderen Ausweg mehr sieht. Der kleine Helm verehrt seinen Vater, einen mutigen Bärentöter, wie er überzeugt ist. Als sein Vater ermordet wird, nimmt ein Onkel den Jungen auf, wenn auch nur höchst widerwillig. Helm muss bald erfahren, dass er neben dem Sohn des Hauses, Erhart, nichts gilt.
Als die junge Anna in der Mühle des Onkels ihr Korn mahlen lassen möchte, wird Erhart zudringlich, versucht gar, die hübsche Frau zu vergewaltigen. Helm schlägt seinen Cousin nieder, um Anna, der sein Herz sofort zugeflogen ist, zu beschützen. Erhart erzählt seinem Vater, es sei Helm gewesen, der Anna bedrängt hätte. Zur Strafe soll Helm die ganze Nacht die Mühle in Gang halten und nicht zum Johannesfest gehen, wo er hoffte, mit Anna tanzen zu können. Lange ringt Helm mit sich und bricht dann doch zum Fest auf. Dort trifft er auf einen jungen Bürgersohn, der Anna als sein Eigentum ansieht. Die beiden Männer geraten in Streit, Helm schlägt den Nebenbuhler nieder und flieht. Er schließt sich einer streitbaren Bande an, die durchs Land zieht.

Eindrückliche Charakterzeichnung

Thomas Vaucher schafft es, einen völlig neuen Wilhelm Tell zu erschaffen. Die Sage, von der inzwischen klar ist, dass sie nicht auf Tatsachen beruht, bekommt durch seine Geschichte eine ganz neue Ausprägung. Die Entwicklung des sensiblen Jungen, der seinen Vater verehrt, zum skrupellosen Waffenträger wird eindrücklich dargestellt. Auch die Hintergründe, weshalb Helm mit Hermann von Spiringen, von allen «Der Geissler» genannt, in Streit geriet und bereit war, diesen mit dem Schuss des Apfels vom Kopf des Sohnes Walter beizulegen, werden gut dargestellt. Eindrücklich zeichnet der Autor die verschiedenen Charaktere nach und bringt sie optimal in Kontext zur beschriebenen Zeit. Der Leser kann nachvollziehen, weshalb die Männer so handeln, wie sie es beschrieben wird.

Völlig neues Bild

Mit seiner Darstellung der Legende präsentiert Thomas Vaucher ein völlig neues Bild und vermag es, selbst gute Kenner der Sage um Wilhelm Tell zu faszinieren. Denn durch Vauchers Feder wird der Schweizer Nationalheld greifbarer, wird menschlicher und realer. Man mag es gar vergessen, dass es weder Wilhelm Tell noch Hermann Geßler wirklich gab. Und doch braucht es da und dort einigen Durchhaltewillen, um bei der Geschichte dabei zu bleiben. Oft verliert die Erzählung an Tempo, wird sie zu detailreich und zu ausführlich erzählt. Diese ruhigeren Passagen verlangen dem Leser viel Geduld ab. Der ansonsten flüssige Erzählstil, die meist angenehme Sprachmelodie die Anlehnung an die Sprache des 13. Jahrhunderts ist nicht immer ganz glücklich und die faszinierende Bearbeitung der Sage machen Tell zu einem besonderen Buch. Einem Buch, das durch die schöne optische Ausgestaltung, das Nachwort und das ausführliche Personenregister zusätzlich viel gewinnt. Dank Vaucher wird Wilhelm Tell wieder zu einer faszinierenden Figur, mit der nicht nur Schweizer sich befassen mögen.

85/100

musenblaetter.de

Geschrieben von Frank Becker

Gewalt und Macht,
Blut und Treue

Wer war Wilhelm Tell wirklich, ja gab es ihn überhaupt, und wie war der historische Kontext der Tell-Sage“? Freunden des Mittelalter-Romans schenkt Thomas Vaucher mit seinem auf gewissen Fakten basierenden Roman „Tell - Mann. Held. Legende.“ prächtigen Schmökerstoff mit geschichtlichen Hintergründen, penibel recherchierten sozialen Verhältnissen, gesellschaftlichen Zusammenhängen und Abstufungen, genauer Beschreibung von Dingen des täglichen Gebrauchs wie Kleidung, Gerätschaften, Waffen, Ernährung etc.. Personen der Geschichte und fiktives Personal führt er zu der bewegten und bunten Handlung geschickt zusammen. In bewußt archaisierender Sprache abgefaßt bekommt das Buch um den Armbrustschützen Helm al. Wilhelm Tell, seinen Lebensweg und die Machtkämpfe seiner Zeit einen Tonfall, von dem man annehmen könnte, so sei damals gesprochen worden. Thomas Vaucher berücksichtigt (siehe unten und Literaturverzeichnis) diverse Quellen, nicht aber Bergier, Blatter, Garovi, Müller und Stunzi (u.v.a.).

Thomas Vaucher: „Das Buch fußt durchaus auf historischen Recherchen. Es beinhaltet viele historische Gegebenheiten, die sich damals zugetragen haben, zudem habe ich natürlich auch die Lebensweise der damaligen Zeit etc nachrecherchiert. Bezüglich Wilhelm Tell habe ich ebenfalls viele Recherchen getätigt und orientiere mich auch an den Überlieferungen nur: Es ist umstritten ob es Tell überhaupt jemals gegeben hat oder ob er eine Erfindung ist, da alle Überlieferungen nicht von zeitgenössischen Chronisten stammen, will heißen: Vielleicht ist die Tell Geschichte eine Erfindung beispielsweise Tschudis (der einer der ältesten Chronisten ist, die den Tell-Mythos erzählt haben). Deswegen habe ich mir auch die Freiheit rausgenommen (obschon ich mich an Tschudi orientiere) einige Dinge abzuändern oder zu verfremden im Sinne von: Wie könnte es vielleicht auch gewesen sein?“

Thomas Vauchers „Tell“ ist, das erschließt sich dem Leser schnell, eine äußerst gewalttätige, romantisierende Geschichte um Macht, Verrat und Treue. Mag sein, daß es unter Landsknechten und Söldnern so rauh zugegangen ist, aber für den an historischer Nähe, dafür an blutigen Details und exzessiver Gewalt weniger interessierten Leser ist sie absolut kein Spaß. Hardcore-Mittelalter-Fans werden das Buch jedoch lieben. Ihnen empfehle ich es sogar. Am Rande: daß Thomas Vaucher im Buch in schmerzlicher Gleichmacherei jedes „ß“ zum Doppel-s macht, stört übrigens schon sehr beim Lesen. Entweder alte oder neue Rechtschreibung, bitte.